Der Zentralrat der vertriebenen Deutschen e.V.


 
   

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Der Umgang mit der Vergangenheit
 
Im Herbst 2011 trafen sich die EU-Finanzexperten in Breslau. Linientreue westdeutsche Journalisten beeilten sich zu berichten, daß sie sich im „polnischen Breslau“ trafen. Nur einmal las ich in einer Zeitung, daß das Treffen im schlesischen Breslau stattfand. Immerhin sagte keiner „Wroclaw“.
 
Bereits vor nunmehr vielen Jahren trafen sich im „Schweidnitzer Keller“ zu Breslau neben den Breslauer Bürgern und Studenten  berühmte Persönlichkeiten, die nun auf einem bronzenen Schild am Eingang dieses Breslauer Ratskellers auch in deutscher Sprache vermerkt sind, es waren nämlich fast nur Deutsche. Auf der bronzenen Tafel steht  geschrieben:
 
„Den Schweidnitzer Keller besuchten
 
Kaiser Sigismund
Gotthold Ephraim Lessing
Joseph Freiherr von Eichendorf
Josef Wybicki
August Heinrich Hoffmann von Hoffmannsthal
Friedrich Chopin
Ferdinand Lassalle
Julius Skowacki
Carl von Holtei
Gustaf Freytag
Adolf von Menzel
Gerhart Hauptmann
Paul Keller
Otto Müller
Hans Poelzig
Max Berg
Alfred Kerr
Paul Löbe
Hugo Hartung
 
                                                          Und heute .....“
 
Den europäischen „Finanzexperten“ wird man wohl keine lobende Erinnerungstafel in Breslau spendieren!
 
Im Breslauer Rathaus begrüßen noch immer den Besucher die Büsten der deutschen Breslauer Nobelpreisträger.
 Was mögen sich wohl die Polen in ihrer „wiedergewonnenen Stadt“ dabei denken?
 
Bei Görlitz, Oberlausitz, trafen sich im August 2011 die Mitglieder des „Zentralrats der vertriebenen Deutschen“ an einem Gedenkstein an der Neiße:
 
Hier wurde Unrecht mit Unrecht vergolten.
Hier galt nur polnisches Faustrecht.
Ab dem 20. Juni 1945
-         nach dem Krieg – vor dem Potsdamer Abkommen
trieb polnisches Militär Deutsche über die Neiße
-         Alte, Frauen und Kinder –
im Februar Zurückgebliebene, im Mai Heimgekehrte.
Ostdeutsche zahlten mit Heimat, Hab und Gut
für ganz Groß-Deutschland
und das Versagen der internationalen Politik.
 
Am Kottmar bei Löbau, Oberlausitz, dort, wo die Spree entspringt; steht ein großes Gasthaus, die „Kottmarschenke“, - ein Kretscham schlesischer Art. Der Wirt hat von seinem Garten einen Teil abgetrennt und  zwei Pfähle mit Wegweisern zu vielen schlesischen und sudetendeutschen Städten errichten lassen. Daneben steht ein Gedenkstein:
 
Im Gedenken
Der Opfer von Flucht
Vertreibung
Krieg und Terror
Sowie in der Heimat ruhenden
Landsleute
1945
Bund der Vertriebenen
Vereinigte
Landsmannschaften
Ost- Westpreußen Schlesien
Pommern Sudetenland
Wartheland Gruppe d. Deutschen
Aus Ost- und Südost Europa
Juni 1999
 
Der Wirt erklärte mir Unbekannten, daß seine Eltern aus Schlesien und aus dem Sudentenland stammten.
 
Im Käthe-Kollwitz-Gymnasium zu Löbau, Oberlausitz , hängt eine bronzene Tafel:
 
Zum Gedenken an die Schüler dieser Schule
die 1951 von der SED-Justiz und dem
Sowjetischen Militärtribunal
zu langjährigen Freiheitsstrafen
verurteilt wurden.
 
In Flugblättern waren sie 1950 für
demokratische Wahlen und für
rechtsstaatliche Verhältnisse eingetreten.
 
Diese Schüler waren damals ca. 16 Jahre alt, sie waren meine Mitschüler.
Was wussten die damaligen westdeutschen Schüler von diesen politischen Nöten und Leiden ihrer Gleichaltigen?
 
In Bautzen, Oberlausitz, bat ich eine Taxifahrerin, die gleichzeitig Fremdenführerin ist, mich zum „Ehrenfeld“ zu fahren. Sie bemerkte, daß noch nie ein Westdeutscher nach diesem gefragt hätte. Das Ehrenfeld liegt direkt neben dem Zuchthaus, dem „ Gelben Elend“. Durch eine Öffnung in der Zuchthausmauer hatten die kommunistischen Stasi-Schergen die ermordeten und durch Hunger und Qualen gestorbenen Verhafteten, so auch meinen Vater, in diesem Massengrab verscharrt.
Auf der großen Rasenfläche steht ein Gedenkstein:
 
Den
Opfern der
kommunistischen
Gewaltherrschaft
in den Bautzener
Gefängnissen zum
Gedenken – den
Lebenden zur
Mahnung.
 
Neben dem Ehrenfeld befindet sich eine Kapelle:
 
GEDÄCHTNISKAPELLE
FÜR ALLE OPFER DER
KOMMUNISTISCHEN
                                                        GEWALTHERRSCHAFT
 
Wer einen Computer hat, sollte zwecks weiterer Informationen www.Bautzen-Komitee.de und dort die Totenliste "googlen".
 
 
Nicht nur die offiziellen Gedenksteine und Gedenkplatten beeindrucken in der Oberlausitz:
 
- Am Busbahnhof in Zittau: Ich trug den Beutel mit der schlesischen Landkarte, den mir einst Herr Ilgner geschenkt hatte, bei mir. Eine jüngere Frau strahlte mich an: „Das ist ja die Landkarte von Schlesien! Meine Mutti ist Schlesierin.“ Ich schenkte ihr die Zeitung DER SCHLESIER für ihre Mutti.
 
- An einem Kiosk in Löbau fragte ich nach der Zeitung DER SCHLESIER. „Ja,“ sagte der Besitzer, „wir hatten viele, doch leider sind sie bereits alle verkauft.“
 
- Im christlichen Herrnhut gab es früher aus religiösen Gründen keine Gaststätte. Nun saß ich in dieser einzigen am Ort und fragte die junge Wirtin, ob sie denn eine echte Herrnhuterin sei.  
Ihre Antwort: „ Ich bin in Herrnhut geboren, doch meine Mutti ist aus Schlesien.“ Sie hatte es eilig, so daß ich ihr nicht verraten konnte, daß ich auch so eine „schlesische Mutti“ sei.
 
- Im Zug ab Bautzen ( ich diesmal ohne schlesischen Beutel) saß mir ein Herr gegenüber und beginnt ein Gespräch: Er käme gerade aus Oberschlesien. Oberschlesien sei seine Heimat, er sei in Gleiwitz geboren. Nach seiner ausführlichen Schilderung über die Situation in Oberschlesien konnte ich schließlich nur noch sagen, daß ich ebenfalls aus Schlesien stamme.
 
Fazit: Nicht nur Görlitz ist Schlesien! Nicht nur die Gruppe um Jürgen Hösl in Zittau und die Schlesische Jugend in der Oberlausitz bekennen sich zu Schlesien, sondern viele, sogar junge Oberlausitzer wissen von ihrer schlesischen und sudetendeutschen Herkunft und sprechen mit normaler Selbstverständlichkeit von ihren Wurzeln. Auch die kommunistische Zwangherrschaft ist vielen Oberlausitzern weiterhin abschreckend in Erinnerung.
 
      Und in Westdeutschland? Ob in Westdeutschland die schlesischen Nachfahren sich auch ihrer Wurzeln bewußt sind?
 
Barbara Berger                              


ZvD===Zentralrat der vertriebenen Deutschen===
Der freie demokratische Dachverband der deutschen Vertriebenen
70327 Stuttgart Kilianstr.8 Tel:07552 408479    Deutsche Bank 4918371 BLZ 600 700 70
 
Herrn
Bundespräsident
Christian Wulff
Schloß Bellevue
10557 Berlin                      den, 16. November 2011
 
 
 
Werter Herr Bundespräsident,
 
am 16. November haben Sie in meiner Heimatstadt Breslau an der 200 Jahr Feier der -historisch richtig- von Deutschen im deutschen Breslau gegründeten Universität teilgenommen.
Sie erklärten bei dieser Gelegenheit dagegen wahrheitswidrig, daß die Universität von Breslau die erste „deutschsprachige“ Universität ist, die beiden Religionen gleiches Unterrichtsrecht zugebilligt hat.
 
Obwohl Sie dafür bekannt sind historisches mit politisch Verlangten zu verwechseln, hätte Ihnen ein kurzer Blick in das historisch richtige Geschichtsbuch, die Wahrheit über die „ deutsche Breslauer Universität“ und die einst in Breslau ansässige urdeutsche Bevölkerung vermittelt.
 
Noch heute liegen in Breslau –wie auf dem Massengrab am Benderplatz- so auch unter zahlreichen Ruinen und auf deutschen Friedhöfen, auf denen heute die Hunde der polnischen „Neusiedler“ ihre Notdurft verrichten, die unchristlich verscharrten deutschen Landsleute, zu denen auch mein Vater gehört, die Sie als Bundespräsident eigentlich auch vertreten müßten. Davon allerdings war keine Rede in Ihrer offiziellen Reiseaufzeichnung.
Auch fehlte in Ihrer Rede der Hinweis auf die von Polen verübten Morde an den Ukrainern in Lemberg, nach der gewaltsamen Eroberung 1921.
 
Mein Eindruck, daß Sie als Niedersachse mit der deutschen Schuld vorzüglich leben können, wenn Ihren Anteil der Rechnung die deutschen Vertriebenen mit bezahlen, verdichtet sich.
 
Schlesien Glück auf
 
Gez. Herbert Jeschioro


Auszug aus dem Bericht des Innenministeriums von Thüringen 2010

„SchIesische Jugend — Landesgruppe 
Thüringen“  (SJ-Thüringen)                                                                                       
                
 
 
 
      Die SJ-Thüringen ist eigenem Bekunden                 
      nach eine „Jugendorganisation, in                   
      der sich interessierte Jugendliche                    
      mit der schlesischen Kultur, den dortigen             
      Sitten und Gebräuchen, der Mundart,                   
      der Geschichte, dem Schicksal der                     
      aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen                
      und allem, was noch über Schlesien                    
      zu wissen ist, beschäftigen und auseinandersetzen   
      „ Die SJ- Thüringen bezeichnet sich                    
      als ‚eigenständige Nachwuchsorganisation             
      der Landsmannschaft Schlesien — Nieder-             
      und Oberschlesien e.V.“ mit eigener                    
      Finanzhoheit.                                          
      Unter dem Deckmantel eines Vertriebenenverbands       
      wird die SJ- Thüringen allerdings inzwischen          
      von aktiven Rechtsextremisten für                     
      Bestrebungen missbraucht die gegen                     
      die freiheitliche demokratische Grundordnung         
      und den Gedanken der Völkerverständigung,           
      insbesondere gegen das friedliche                     
      Zusammenleben der Völker gerichtet                    
      sind. Führungsfunktionäre der SJ-Thüringen            
      waren bis zu deren Verbot in der HDJ                  
      aktiv. Zahlreiche andere Mitglieder stammen           
      aus dem sonstigen rechtsextremistischen               
      Spektrum und üben dort zum Teil auch                  
      Führungsfunktionen aus. Der Vorstand                  
      der SJ-Thüringen ist zudem in ähnlicher               
      Funktion auch im Vorstand der „Bundesgruppe           
      der Schlesischen Jugend“ (SJ-Bund)                    
      aktiv. So fungiert der Vorsitzende                  
      der SJ-Thüringen, Fabian RIMBACH,                     
      zugleich als Vorsitzender der SJ-Bund.                
                                                            
      Die inhaltliche Ausrichtung der SJ-Thüringen          
      ist vor allem durch gebietsrevisionistische           
      und revanchistische Bestrebungen                      
      geprägt. In ihren Veröffentlichungen                  
      finden sich Äußerungen wie: „[. . .)                 
      die Wichtigkeit unserer Arbeit und                    
      die Erhaltung des Deutschtums jenseits              
      von Oder und Neiße, als ein unauslöschlicher          
      Teil Deutschlands [...)“. Schlesien                 
      wird als „polnisch besetztes Gebiet                   
      des alten deutschen Kulturlandes“ bezeichnet.         
Zum selben Thema werden auch Berichte anderer rechtsextremistischer Gruppierungen in die eigene lnternetdarstellung  übernommen.                    
Darunter ein Text des rechtsextremistischen         
„Zentralrats der vertriebenen Deutschen“ (ZvD), 
der die Vertreibung der deutschen  Bevölkerung  
 aus den ehemaligen Ostgebieten  
als „ein(en) von
Rassismus und Nationalismus  
getriebenen und von
Willkür beherrschten  
Völker -und                                 Identitätsmord" bezeichnet.                                 
 
                                                                                   
      Über den ZvD, an dessen Veranstaltungen          
      Vertreter der SJ-Thüringen regelmäßig               
      teilnehmen und diese aktiv mitgestalten,             
      bestehen insbesondere enge Kontakte                  
      zur ebenfalls rechtsextremistischen „Jungen      
      Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO).                          
      Gemeinsam mit der JLO nahm die SJ-Thüringen           
      auch an einer Gedenkveranstaltung                   
      des ZvD in Görlitz am 11. Juli teil.                  


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<Zum Auszug aus dem Bericht des Innenministeriums von Thüringen 2010>
 
Der ZvD weiß zwar nicht, wie man im „Freistaat Thüringen“ eine ethnische Säuberung (Vertreibung), die auch die Bundesregierung als Verbrechen bezeichnet, darstellen darf.
Einer Darstellung, daß 1945 einige Millionen Deutsche mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen und mit einem herzlichen Dank an die neuen „Besitzer“ auf Wanderschaft gingen, um sich eine neue Heimat zu suchen, wobei einige von ihnen wegen Übersättigung und lauter Freude in den Graben fielen, nicht mehr aufstehen konnten und verstarben, könnte sich der ZvD nicht unterwerfen.
Das gilt besonders auch in Bezug auf den Begriff „rassistisch“, wenn im Zusammenhang mit der „Säuberung“ nicht nur schuldlose Bürger sondern auch Juden, Kommunisten und NS-Gegner ausgetrieben und ausgeraubt wurden, nur weil sie deutscher Herkunft und Abstammung waren und in Bezug auf den Begriff „nationalistisch“, wenn der Säuberungsgrund als Wiedergewinnung von Gebieten bezeichnet wird, die zu keinem Zeitpunkt „Staatsgebiet“ des Austreibungsstaates waren.  
Wenn die ethnischen Säuberungen an den Armeniern, im Kosovo, im Irak und anderswo als Völkermord bezeichnet werden, wie anders sollte man die ethnische Säuberung an Millionen Deutschen bezeichnen dürfen, oder wie die Zersiedelung anders als „Identitätsvernichtung“ nennen, mit der die Vernichtung der Identität der ausgetriebenen deutschen Bevölkerung in allen Bereichen eingeläutet wurde.    
Was der ZvD sicher weiß, ist die Tatsache, daß er mit allen Menschen guten Willens redet, die, wie die „Schlesische Jugend“, friedlich und heimattreu das Erbe ihrer Vorfahren hüten und nach dem Motto handeln, wer miteinander redet, nicht aufeinander schießt.  
Dabei wird der ZvD alle daran erinnern, nicht zu vergessen, daß in unserem Land:
schon einmal Menschen amtlicherseits, wegen ihrer Herkunft als Ratten und Ungeziefer dargestellt werden durften,
eine mörderische Grenzmauer mit hunderten Ermordeter, unter dem demokratischen Reinheitsgebot, staatlicherseits als „antifaschistischer Schutzwall“ dargestellt wurde,
noch immer Menschen trotz freiheitlich demokratischer Rechtsordnung als Müll und Dreck bezeichnet werden,
plakativ dargestellt werden darf, daß alles Gute von oben kommt und damit die Ermordung von unbewaffneten Menschen durch Bomben verherrlicht wird,
Menschen wahrheitswidrig -weil lt. Strafgesetz jegliche Form von nationalsozialistischer Existenz bestraft und unterbunden werden müßte- als „Nazis“ bezeichnet werden,
und die „Erbengemeinschaft“ dieser Geisteshaltung, im Deutschen Bundestag und in Länderregierungen sitzen darf.    
Der ZvD bekennt, rechts-bewußt mit allen zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln dafür einzutreten, daß die historische Wahrheit, die Heilung von Unrecht und die Bestrafung der individuellen Schuld, als einziger Weg zum tatsächlichen friedlichen Miteinander der Menschen, am Leben erhalten wird und die schlechteste Methode die Aufrechterhaltung die der guten und bösen Täter und deren ehrenvollen und verachtenswerten Opfern ist.
 
Ihr ZvD


Gedenkveranstaltung an der Neiße
 
Der Zentralrat der Vertriebenen Deutschen e.V. , Herr Jeschioro und seine Frau, haben zu einer Gedenkveranstaltung an der Neiße eingeladen.
Am 19. August 2011, bei strahlendem Wetter, trafen sich Schlesier aus allen Bundesländern im Neundorfer Hof, Görlitz/Oberneundorf. Nicht nur „wir Alten“ waren gekommen, nein, unter uns war auch die vom BdV ausgeschlossene, verstoßene Schlesische Jugend aus Thüringen und der Oberlausitz, erfreute mit Gesang zur Gitarrenbegleitung und vor allem durch ihre Kinder, die fröhlich, jedoch wohlerzogen an der Veranstaltung teilnahmen.
Am 20.8. fuhr die Gruppe in Pferdewagen zum Gedenkstein an der Neiße. Diesen Gedenkstein haben Schlesier zur Erinnerung an die Qualen der Flucht ab 1945 errichtet. Es wurden Blumen gelegt, ein Trompeter spielte das Lied „Ich hatt´ einen Kameraden...“ und das Schlesierlied, das gemeinsam gesungen wurde.
Friedlich, wie unschuldig floss die Neiße durch ihr begrüntes Bett, nunmehr das deutsche Land zerschneidend. In der Ferne grüßte die Landeskrone.
 
 Doch ein beeindruckendes Dokument bietet hiezu das 1986 veröffentlichte Tagebuch 1945/1946 unter dem Titel „Wächter, wie tief ist die Nacht“ (Verlag G.A. Walter GmbH, Eltville) des katholischen Priesters Prof. Dr. Franz Scholz, der zu dieser Zeit Priester in Görlitz-Ost war. Hier nur ein Auszug aus seinem Tagebuch:
„10.2.1945:
Es ist unerbittlich klar: Die russischen Heere nähern sich Görlitz von Norden und Osten (von Kohlfurt und Lauban). Unsere heiße Hoffnung, daß der Krieg sterbe bevor er den Westrand Schlesiens erreicht hat, erfüllt sich nicht. Bisher haben wir das weiter östlich wohnende deutsche Volk, das vor den russischen Armeen flüchtete und die Landstraßen seit Dezember 1944 bevölkerte, zu bergen versucht. Nun, nachdem schlagartig fast alle Einwohner Schlesiens, soweit sie noch zu Hause waren (d.h. Im wesentlichen: Frauen, Kinder, Alte, Kranke, Krüppel, Strafgefangene und KZ-Insassen) in Schnee und Kälte (-20 Grad) über Görlitz nach Westen drängen, ergreift uns der Strudel selbst. Nie ist uns so tragisch vordemonstriert worden, was Schlesien ist, wie in diesen Wochen, da die Menschen der Reihe nach aus allen Städten (von Südosten nach Nordwesten), aus Beuthen, Ratibor, Oppeln, Brieg, Ohlau, Breslau, Liegnitz, Bunzlau, Lauban und wie die zahllosen Orte und Kreise heißen, nach und durch Görlitz geflüchtet sind....“
Am Nachmittag zeigte Frau Jeschioro eine Dokumentation über die Aktivitäten des Zentralrates, es folgten mehrere Vorträge, doch man fand auch ausgiebig Gelegenheit, untereinander Gedanken auszutauschen. Am 21. August mittags löste sich die Versammlung auf. Einige fuhren weiter nach Schlesien, ich nutzte die nächsten Tage, um wieder einmal die prächtige Stadt Görlitz zu bewundern und die oberlausitzschen Städte Zittau, Löbau, Bautzen und Herrnhut zu besuchen.
Meine ehemalige Schulfreundin aus Herrnhut sagte: „Wir sind wieder Schlesier geworden, denn Herrnhut gehört nun zur Kreisverwaltung Görlitz.“
Nun meine persönlichen Gedanken: Versammelt haben sich die heute siebzig bis neunzig Jahre alten Schlesier, die als Kinder und Jugendliche Flucht und Vertreibung aus ihrer schlesischen Heimat erleiden mussten, die letzten Lebenden der „Erlebnisgeneration“, denen Polen und devote politisch Tätige ein baldiges „biologisches Ableben“ wünschen, meinend, daß somit ein wichtiger Teil unserer deutschen Geschichte ausradiert wird. Die jungen Menschen, die an der Versammlung teilnahmen, waren „Enkelgeneration“ und ein kleiner Hoffnungsstrahl. Doch sie waren alle aus Mitteldeutschland. Es fehlten völlig junge Leute aus den Westgebieten Deutschlands und Menschen im Alter zwischen ca. 45 und 65 Jahren, d.h. die Kinder der Flüchtlinge und Vertriebenen.
Da man dieses Fehlen an einem Wochenend-Treffen nicht nur mit Zeitlosigkeit u.ä. entschuldigen kann, sollten wir, die „Alten“ uns fragen, was in der Erziehung im Elternhaus, im „Bund der Vertriebenen“,  vor allem auch in den Schulen, Hochschulen und in den diversen politischen Verbänden falsch gelaufen ist. Denn der Raub von Ost- und Westpreußen, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien, dem Sudetenland, - einem Drittel von Deutschland! –, Raub von Besitz und Kultur dieser deutschen Länder betrifft alle Deutschen. Es ist nichts geregelt, was nicht gerecht geregelt ist! Dieser Landraub ist völkerrechtlich (noch) nicht geregelt.
Wacht endlich auf, Ihr Deutschen, und lasst Euch nicht durch linke Drohung und verlogene Beschimpfung „Nazi“, „Revanchisten“ und „ewig Gestrige“ einschüchtern! Wer das Gestern nicht kennt, kann die Zukunft nicht gestalten.
Schlesische Weisheit
Drei Möglichkeiten gibt es für alle Menschen auf Erden, um mit dem Leben fertig zu werden:
Kauen, schlucken oder den Brocken ausspucken.
Und wer sich ewig drückt und duckt,
den hat das Schicksal bald verschluckt.
(Aus dem Buch „Ostdeutschland“, Südwest Verlag München, gedichtet von Othmar Fiebinger)

Barbara Berger               August 2011